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Mythologie & Geschichte

Die Mistel in der nordischen Mythologie

Um 1220 schrieb der isländische Gelehrte Snorri Sturluson seine Prosafassung der Edda-Dichtung nieder. Im abschliessenden Kapitel spielt die Mistel eine wichtige Rolle.

Und das ist der Anfang dieser Geschichte, dass Baldur, der gute, schwere Träume träumte, die seinem Leben Gefahr dräuten. Und als er den Asen seine Träume sagte, pflogen sie Rat zusammen und beschlossen, dem Baldur Sicherheit vor allen Gefahren auszuwirken. Da nahm Frigg [Baldurs Mutter] Eide von Feuer und Wasser, Eisen und allen Erzen, Steinen und Erden, von Bäumen, Krankheiten und Giften, dazu von allen vierfüssigen Tieren, Vögeln und Würmern, dass sie Baldur schonen wollten. Als das geschehen und allen bekannt war, da kurzweilten die Asen mit Baldur, dass er sich mitten in den Kreis stellte und einige nach ihm schossen, andere nach ihm hieben und noch andere mit Steinen warfen. Und was sie auch taten, es schadete ihm nicht; das erschien ihnen allen ein grosser Vorteil.

Aber als Loki, der Laufey Sohn, das sah, da gefiel es ihm übel, dass den Baldur nichts verletzen sollte. Da ging er zu Frigg nach Fensal in Gestalt eines Weibes. Da fragte Frigg die Frau, ob sie wüsste, was die Asen in ihrer Versammlung vornähmen. Die Frau antwortete: sie schössen alle nach Baldur; ihm aber schadete nichts. Da sprach Frigg: Weder Waffen noch Bäume mögen Baldur schaden: ich habe von allen Eide genommen. Da fragte das Weib: Haben alle Dinge Eide geschworen, Baldur zu schonen? Frigg antwortete: Westlich von Walhall wächst eine Staude, Mistel genannt, die schien mir zu jung, sie in Eid zu nehmen.

Darauf ging die Frau fort; Loki nahm die Mistel, riss sie aus und ging zur Versammlung. Hödur stand zu äusserst im Kreise der Männer, denn er war blind. Da sprach Loki zu ihm, warum schiesst du nicht nach Baldur? Er antwortete: Weil ich nicht sehe, wo Baldur steht; zum andern hab ich auch keine Waffe. Da sprach Loki: Tu doch wie andere und biete Baldur Ehre, wie alle tun. Ich will dich dahin weisen, wo er steht: so schiesse nach ihm mit diesem Reis. Hödur nahm den Mistelzweig und schoss nach Baldur nach Lokis Anweisung. Das Geschoss durchbohrte Baldur, dass er tot zur Erde fiel, und das war das grösste Unglück, das Menschen und Götter betraf.


Quelle: Die Edda III – Die Jüngere Edda des Snorri Sturluson. Nach der Übersetzung und Auswahl von Karl Simrock. Reclam Verlag, Leipzig 1944; S. 55–59.

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